Trophäenschau Seefeld – Jägerschaft zieht Bilanz und spricht Klartext

Volle Halle, zahlreiche Ehrengäste und klare Worte prägten die diesjährige Trophäenschau des Bezirks Innsbruck-Land in der Seefelder WM-Halle. Am 28. und 29. März 2026 wurde nicht nur das vergangene Jagdjahr gewürdigt, sondern auch offen über aktuelle Herausforderungen gesprochen. Die Veranstaltung zeigte einmal mehr die zentrale Rolle der Jagd zwischen Naturschutz, gesellschaftlichen Ansprüchen und politischen Rahmenbedingungen.

Im Mittelpunkt stand die Bilanz des Jagdjahres 2025/26. Bezirksjägermeister Thomas Messner berichtete von einer insgesamt sehr guten Abschusserfüllung. Beim Rotwild wurde eine Quote von rund 92 Prozent erreicht, beim weiblichen Rotwild ebenfalls 92 Prozent, beim Rehwild etwa 91 Prozent. Beim Gamswild lag die Erfüllung bei 76 Prozent. Diese Zahlen zeigen eine verantwortungsbewusste und konsequente Bewirtschaftung der Wildbestände im Bezirk.

Neben den Zahlen wurde auch die aktuelle Situation im Lebensraum deutlich angesprochen. „Wir haben mittlerweile rund um die Uhr Betrieb in unseren Wäldern“, betonte Messner und verwies auf den zunehmenden Freizeitdruck. Besonders nächtliche Aktivitäten im alpinen Raum würden das Wild stark beeinträchtigen. Die wiederholt geäußerte Kernaussage bringt die Problematik auf den Punkt: „Die Natur ist kein Fitnessstudio.“

Auch Vertreter aus Politik und Verwaltung unterstrichen die Bedeutung der Jagd. Landeshauptmann Anton Mattle würdigte die Leistungen der Jägerschaft und stellte fest: „Wenn eine Abschusserfüllung von über 90 Prozent erreicht wird, dann ist das nicht nur Leidenschaft, sondern Verantwortungsbewusstsein gegenüber der gesamten Bevölkerung.“

Bezirkshauptfrau Katharina Eberle ergänzte, dass Jagd, Forst, Gemeinden und Behörden nur gemeinsam ein funktionierendes Gleichgewicht gewährleisten können.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den zunehmenden Herausforderungen für das Wild. Parasitenbefall und klimatische Veränderungen gewinnen an Bedeutung. Untersuchungen zeigen, dass Parasiten im alpinen Raum häufiger auftreten und Wildtiere zusätzlich unter Stress geraten, insbesondere durch intensive Freizeitnutzung. Gleichzeitig erschweren milde Winter die Bejagung, da sich das Wild länger in schwer zugängliche Hochlagen zurückzieht.

Auch große Beutegreifer bleiben ein Thema. Luchs, Goldschakal und Wolf stellen die Jägerschaft vor neue Herausforderungen. Zwar gibt es mittlerweile gesetzliche Regelungen zur Entnahme von Schad- und Risikowölfen, in der Praxis bleibt deren Umsetzung jedoch schwierig.

Die Trophäenschau selbst beeindruckte mit mehr als ca. 3.000 ausgestellten Trophäen und bot damit einen umfassenden Überblick über die Wildbestände und deren Entwicklung im Bezirk. Die präsentierten Stücke spiegeln eine stabile Altersstruktur und eine insgesamt nachhaltige Bewirtschaftung wider.

Ein wichtiger Teil der Veranstaltung waren die Ehrungen verdienter Mitglieder. Josef Neuner aus Scharnitz wurde zum Wildmeister ernannt, Bezirksjägermeister-Stellvertreter Fritz Mayer erhielt das Verdienstabzeichen des Tiroler Jägerverbandes. Weitere Ehrenzeichen wurden an zwei engagierte Jagdpächter und verdienstvolle Hegemeister vergeben.

Auch organisatorische Entwicklungen wurden vorgestellt. Mit der geplanten digitalen Grünvorlage soll die Abschussmeldung künftig vereinfacht werden. Fotos mit GPS-Daten werden direkt erfasst und übermittelt, wodurch Verwaltungsabläufe effizienter gestaltet werden können.

Die Trophäenschau in Seefeld zeigte eindrucksvoll, dass die Jagd weit mehr ist als Tradition. Sie ist aktiver Natur- und Lebensraumschutz und gleichzeitig mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Für die Zukunft wird entscheidend sein, wie es gelingt, Wild, Lebensraum und gesellschaftliche Nutzung in Einklang zu halten.