Verantwortung – ernst gemeint: Wie die neuen Schalenwildrichtlinien die Eigenverantwortung stärken
Ein zentrales Ziel der Strategie „Tiroler Jagd 2030“ ist es, die fachlichen Grundlagen für Abschussplanung und Bejagung weiterzuentwickeln. Damit soll eine nachhaltige Entwicklung der Schalenwildbestände für kommende Generationen gesichert werden – auf Basis aktueller wildbiologischer Erkenntnisse. Mit den überarbeiteten „Richtlinien zur Bejagung des Schalenwildes“ liegt dazu nun das Konzept des Tiroler Jägerverbandes vor.
Eine vorausschauende Jagd orientiert sich an den natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnissen des Wildes. In der jagdlichen Praxis stand diesem Anspruch jedoch oft das Gefühl gegenüber, vor allem Zahlenwerke abarbeiten zu müssen. Die Schalenwildrichtlinien wurden daher grundlegend überarbeitet: vereinfacht, klarer strukturiert und näher an eine wildökologisch fundierte Jagdpraxis herangeführt.
Das neue Konzept ist getragen von großem Vertrauen in die Tiroler Jägerschaft. Es verabschiedet sich in mehreren Bereichen von starren Vorgaben und stellt eine zentrale Frage in den Mittelpunkt:
Wie soll der Zustand der Wildbestände im Revier nach der Jagd aussehen – und wie entwickeln sich Alters- und Sozialstrukturen langfristig?
Gerade hier hat sich in einigen Regionen die Entwicklung von Durchschnittsalter und Geschlechterverhältnis nicht immer positiv dargestellt. Der notwendige Perspektivenwechsel eröffnet nun mehr Handlungsspielraum für eine verantwortungsvolle, wildbiologisch fundierte Bewirtschaftung. Jagdlicher Einsatz wird stärker anerkannt, und die Jägerinnen und Jäger erhalten wieder mehr Möglichkeiten, ihre Reviere eigenverantwortlich, nachhaltig und mit Augenmaß zu führen.
Zu den wesentlichen inhaltlichen Eckpunkten der neuen Richtlinien gehören unter anderem:
- Großräumige Planung, lokale Gestaltung: Ergänzend zu den Hegebezirken soll die Planung nach Wildräumen erfolgen, um Zielbestände fachlich sauber zu definieren und Abschüsse transparent auf die Reviere aufzuteilen.
- Wildbiologisch fundierte Hege: Die Gleichstellung von Kitzen und Kälbern in der Planung erleichtert einen konsequenten Hegeeingriff und ermöglicht eine flexible Bestandssteuerung vor Ort.
- Gamswild – Zeit für Reife: Reife Böcke und Geißen sollen ihre biologische Hochphase im Bestand verbringen. Die Anhebung des Einstiegsalters für die Ernteklasse stärkt stabile Alters- und Sozialstrukturen und verbessert gleichzeitig das sichere Ansprechen im Gelände.
- Rotwild – ruhiges Handwerk: Mehrjährige Planungszeiträume und der Fokus auf das Kahlwild verknüpfen Verantwortung und Handlungsspielraum. Wer konsequent Kahlwild bejagt, schafft Puffer und gewinnt Entscheidungsfreiheit bei der Bejagung des männlichen Wildes.
- Rehwild – präzise Steuerungsmöglichkeiten: Die gemeinsame Planung von Kitzen und weiblichem Wild schafft eine flexible und zielgerichtete Steuerungsoption im Bestand.
- C.I.C.-Bewertung als Kontrollinstrument: Die Trophäe dient nicht als Ziel, sondern als Indikator der Fitness. Die C.I.C.-Bewertung ermöglicht eine objektive, nachvollziehbare Kontrolle, ob die Bejagung tatsächlich auf schwächere Stücke in den entsprechenden Klassen ausgerichtet ist – ohne die Jagd auf reine Trophäenoptimierung zu verengen.
Downloads
Die „Richtlinien zur Bejagung des Schalenwildes“ des Tiroler Jägerverbandes in zwei Fassungen zur Verfügung:
- Kurzfassung
Enthält die wesentlichen Inhalte und Kernbestimmungen der Richtlinien in kompakter Form. - Erweiterte Fassung mit Erläuterungen
Enthält zusätzlich alle detaillierten Tabellen sowie ausführliche Erläuterungen zu den Überlegungen bei der Erarbeitung der Richtlinien. Diese sind direkt zu den jeweiligen Bestimmungen eingeblendet.
