Wild & Jagd » Wildlebensräume » Wildlebensräume
Wildlebensräume
Wild & Jagd » Wildlebensräume » Wildlebensräume
Leitbild TIROLER JAGD 2030
Wildlebensräume schützen
Tirols Wälder, Wiesen und alpinen Hochlagen sind wertvolle Lebensräume für eine Vielzahl heimischer Wildtiere. Doch diese Lebensräume stehen zunehmend unter Druck – durch intensive Nutzung, Zerschneidung, Störungen und Veränderungen im Klima.
Der Schutz von Wildtieren beginnt daher beim Schutz ihrer Lebensräume. Strukturreiche Wälder, ruhige Rückzugsräume, ausreichend Nahrung und vernetzte Lebensräume sind entscheidend für gesunde Wildbestände.
Ob als Jägerin oder Jäger, Erholungssuchende oder Naturinteressierte: Jede und jeder kann einen Beitrag leisten – durch Rücksichtnahme in sensiblen Bereichen und durch gezielte Maßnahmen zur Verbesserung von Lebensräumen.
Weiterführende Informationen
Die aktive Gestaltung von Lebensräumen spielt in unserer Kulturlandschaft eine zentrale Rolle. Viele Wildarten profitieren von gezielten Maßnahmen, die Struktur, Nahrung und Deckung verbessern.
Beispiele nach Höhenstufen:
Tal- und Kulturlandschaft (Wiesen, Felder, Siedlungsnähe)
- Anlage von Hecken, Feldgehölzen und Altgrasstreifen
- Spätere/seltenere Mahd von Wiesen
- Erhalt von Brachen und Saumstrukturen
- Reduktion von Störungen in Randbereichen (z. B. Brutzeiten)
- Vernetzung von Lebensräumen (Trittsteinbiotope)
- Renaturierung und ökologische Aufwertung von Flussauen und weiteren Gewässerlebensräumen
Bergwald (Mischwälder, Schutzwald)
- Förderung strukturreicher Mischbestände
- Schaffung von Lichtungen und strukturreichen Waldrändern
- Erhalt von Totholz und Altholzinseln
- Lenkung von Freizeitnutzung (Wegekonzepte, Ruhezonen)
Alpine Zone (Almen, Latschen, Hochlagen)
- Pflege von Almweiden zur Sicherung der Äsung
- Schutz sensibler Rückzugsräume (z. B. für Raufußhühner, Gams)
- Vermeidung von Störungen in Winterlebensräumen
- Lenkung von Skitouren- und Freizeitnutzung
Rolle der Jägerschaft
- Mitwirkung bei Lebensraumgestaltung und Biotoppflege
- Zusammenarbeit mit Land- und Forstwirtschaft
- Aufklärung und Kommunikation
- Beobachtung und Monitoring von Wildbeständen
Was jede und jeder beitragen kann:
- Auf den Wegen bleiben – für Wanderungen, Radtouren oder Skitouren nur ausgewiesene Routen nutzen
- Lärm vermeiden – besonders bei Nacht und in der Dämmerung
- Waldränder und schneefreie Flächen meiden – dort rasten Wildtiere am liebsten
- Schilder beachten – z. B. Tafeln Winterlebensraum Gams
- Ruhezeiten und Schutzzonen respektieren
- Hunde an die Leine nehmen
Warum der Schutz von Wildtieren und ihren Lebensräumen wichtig ist:
Die alpinen Wälder, Wiesen und Hochlagen Tirols sind wertvolle, zugleich aber sehr sensible Lebensräume. Bereits kurze Störungen – etwa durch Lärm oder plötzliche Begegnungen – bedeuten für Wildtiere Stress: Herzschlag und Energieverbrauch steigen, Fluchten kosten zusätzliche Kraft. Wiederholen sich solche Situationen, verschlechtert sich die körperliche Kondition der Tiere. Besonders im Winter, wenn Nahrung knapp ist, können zusätzliche Energieverluste lebensgefährlich werden. Dauerhafte Beunruhigung hat noch gravierendere Folgen. Wildtiere verlieren wichtige Rückzugs- und Aufzuchtgebiete, Stresshormone bleiben chronisch erhöht und beeinträchtigen Fortpflanzung, Immunsystem und Überlebenschancen. Um die harten Wintermonate zu überstehen und ihre Jungen erfolgreich aufzuziehen, sind ungestörte Rückzugsräume entscheidend. Ausgewiesene Wildruhezonen sollten daher unbedingt berücksichtigt werden.
Wie Wildtiere reagieren
- erhöhte Wachsamkeit und Flucht
- veränderte Raumnutzung und Aktivitätsmuster
- Meidung stark begangener Wege und Waldstraßen
- Verlagerung der Aktivität in die Nacht
Ergebnisse aus der Forschung
- Störungen können zu geringeren Bestandsdichten, sinkenden Fortpflanzungsraten, höherem Energieverbrauch und schlechterer körperlicher Verfassung führen
- Querfeldein-Gänger verursachen deutlich stärkere Stressreaktionen als Personen, die auf den Wegen bleiben
- Wildtiere meiden hochfrequentierte Waldstraßen aktiv.