Fuchsbandwurm Teil I – Untersuchung von Füchsen

Im Zuge des vom Tiroler Jägerverband organisierten Fuchsprojektes wurden im Zeitraum Oktober 2014 bis Februar 2016 insgesamt 476 Füchse aus ganz Tirol an das Institut für Veterinärmedizinische Untersuchungen in Innsbruck zur Probenentnahme und Untersuchung übermittelt.

Im vorliegenden Endbericht wird über die Ergebnisse der Untersuchungen auf Echinococcus multilocularis, den Fünfgliedrigen Fuchsbandwurm, berichtet, um fachlich über die aktuelle Verbreitung des Parasiten beim Fuchs in Tirol und etwaige Gefahrenquellen für die Bevölkerung, insbesondere der Jäger, zu informieren.

Fuchsbandwurm Teil II – Vorsorgeuntersuchung für Jäger

Zoonotische Pathogene bei Tiroler Jägerinnen und Jägern

 

Liebe Jägerinnen und Jäger,

der TJV startet eine Vorsorgeuntersuchung auf den 5-gliedrigen Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis). Eine derartige Untersuchung wurde zuletzt vor mehr als 20 Jahren durchgeführt. Das Ziel dieser Untersuchung ist somit eine Neuerfassung des Vorkommens in Tirol.

Der Mensch ist ein Fehlwirt und erwirbt diese Infektion durch orale Aufnahme von Fuchsbandwurmeiern aus der Fuchslosung durch Schmutz- und Schmierinfektion, durch kontaminierte Erde, Früchte oder durch Kontakt mit dem kontaminierten Balg infizierter Füchse. Die Inkubationszeit der Fuchsbandwurmkrankheit beträgt 5 bis 15 Jahre und die Letalität (Sterblichkeit) ist hoch. Wird die Infektion in einem frühen Stadium z.B. durch eine vorbeugende Gesundenuntersuchung diagnostiziert, kann diese mit hoher Wahrscheinlichkeit erfolgreich behandelt werden.

In diesem Projekt werden noch weitere Krankheitserreger untersucht. Es betrifft die Erreger Babesien, Theilerien, Anaplasmen, Ehrlichien und Neoehrlichien. Diese Erreger werden zukünftig große medizinische Bedeutung erlangen, sie werden alle durch Zecken übertragen und verursachen unterschiedlichste Krankheitssymptome wie Fieber, Blutarmut (Anämie), Gelbsucht, Blutgerinnsel (Thrombosen) und Gefäßverschlüsse (Embolien).

Diese Studie dient zur Prävention und fördert das Bewusstsein hinsichtlich zoonotischer Krankheitserreger, besonders in Personengruppen (Jägerinnen und Jäger), die wiederholt mit infizierten Tieren in Kontakt kommen. Ebenso können Menschenleben durch diese wissenschaftliche Vorsorgeuntersuchung gerettet werden.

Die Untersuchung wird durch den TJV finanziert und besteht aus einer einfachen Blutabnahme aus der Vene, die von Ärzten bei den Trophäenschauen durchgeführt wird. Dieses wissenschaftliche Vorsorgeprojekt wurde durch die österreichische Ethikkommission freigegeben und wird in den neun Bezirken Tirols durchgeführt. Sie beginnt am 13.2.2015 im Bezirk Schwaz. Die Vorsorgeuntersuchungen in den Bezirken Landeck und Reutte werden im Mai 2015 durchgeführt, der genaue Termin wird noch bekanntgegeben.

 

Ablauf

  • Jede Jägerin und jeder Jäger erhält ein Informationsblatt und einen Fragebogen vor der Blutabnahme.
  • Zustimmung durch eine Unterschrift
  • Blutabnahme
  • Die Daten werden vertraulich behandelt und unterliegen dem Datenschutz.
  • Die Untersuchungen dienen rein wissenschaftlichen Zwecken.
  • Falls ein positiver Nachweis in den Untersuchungen auftritt, wird den betroffenen Jägerinnen und Jägern dies persönlich mitgeteilt.
  • Jede Jägerin und jeder Jäger erhält eine Kopie des Informationsblattes und Einwilligungserklärung.

Projektbericht

Bleifreie Jagdmunition wird von immer mehr Jägerinnen und Jägern eingesetzt. Ziel einer aktuellen Untersuchung aus dem Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) war es, für die Hauptwildarten Rot-, Reh- und Gamswild, sowie für die unterschiedlichen Schussdistanzen, die jagdliche Brauchbarkeit verschiedener bleifreier Geschosse, speziell unter den jagdlichen Bedingungen in Tirol zu überprüfen.

Dazu wurden zu 1.045 Abschüssen 80 professioneller Jäger detaillierte Protokolle erfasst, die über 31 Variablen zum Schützen, der Waffe, der Munition, der Schussabgabe, der Trefferlage, zum Verhalten des Wildes sowie der Wildbretqualität Auskunft geben.

Die Protokolle umfassen 16 verschiedene bleifreie Geschosstypen in insgesamt 12 Kalibern. Die Vielzahl der miteinander in Wechselwirkung stehenden Variablen bedingt, dass nicht für alle Geschosstypen endgültige Empfehlungen für deren Einsatz im Jagdbetrieb abgegeben werden können. So sind z.B. für einige eventuell sehr brauchbare Geschosstypen keine Aussagen möglich, da zu wenige Stichproben vorliegen.

Für jene Geschosstypen, für die ausreichende Protokollzahlen vorliegen, wurde eine Auswertung mit Hilfe von den Hauptfaktoren Wildbretqualität, Fluchtstrecke und Schweiß vorgenommen. Diese führte zu einer Klassifikation der jeweiligen jagdlichen Brauchbarkeit in brauchbar, bedingt brauchbar oder nicht brauchbar. Für fünf Geschosse mit ausreichend großer Stichprobe konnten so Bewertungen der Brauchbarkeit für die drei Wildarten und bei Schüssen unter und über 200 m durchgeführt werden.

Geschosstypen, die nicht hinsichtlich ihrer jagdlichen Brauchbarkeit eingestuft werden konnten, müssen in weiterführenden Untersuchungen analysiert werden. Jedenfalls wird die Bedeutung einer ausreichenden Restenergie für unterschiedliche Schussdistanzen im Hinblick auf einen weidgerechten Schuss betont.

Die Ergebnisse dieser Studie untermauern zahlreiche gleichlautende Befunde und unterstreichen die grundsätzliche Möglichkeit des Umstiegs auf bleifreie Büchsenmunition auch unter den Bedingungen der Gebirgsjagd.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier:

Lausfliegen

Bitte um Einsendung von Lausfliegen bei erlegten Boviden

Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schedl

Jeder Naturliebhaber (Jäger, Bergsteiger oder Tourist) wird in Sommer- oder Herbstmonaten schon auf schwitzenden freien Körperteilen rasch anfliegende, hellbraune Hirschlausfliegen (Lipoptena cervi, ca. 4-6 mm lang) gesehen und gespürt haben, die schwer mit den Fingern zu entfernen sind. Die Einstiche in den Nebenwirt Mensch und seine Haut sind anfangs kaum zu bemerken. Erst nach 2 bis 3 Tagen sind sekundäre Stichfolgen in Form von roten Pünktchen, dann rötlichen Höfen und leichten Quaddelbildungen verbunden mit Juckreiz zu vermerken. Mehrere Lausfliegen-Arten fliegen gelegentlich menschliche Haut, auch Kopfhaut an. Obwohl unsere mitteleuropäischen Lausfliegen-Arten Überträger von Wildtierkrankheiten sind, sind die für den Menschen in dieser Hinsicht ohne Bedeutung.

Auch geflügelte Hirschlausfliegen (Lipoptena cervi, Abb. 1) oder die Kleine Rehlausfliege (Lipoptena fortivitosa) können u.a. Gämsen und Steinwild temporär als Ektoparasiten befallen. Während erst im April 2009 wieder ein wissenschaftlicher Nachweis mit Belegexemplaren der Schaflausfliege (Melophagus ovinus) aus Nordtirol durch Herrn Stefan Kranewitter (Imst) an Schafen gelang (zuletzt 1918 ein Nachweis aus Tirol ohne Fundortangabe), fehlt von der verwandten Gämsenlausfliege (Melophagus rupricaprinus, Abbs. 2) wie auch von der Kleinen Rehlausfliege bisher jeder wissenschaftlich belegte Nachweis aus Nordtirol. Nach dem Anflug auf eine große Säugetierart werfen die Lausfliegen ihre wenig geaderten Flügel ab und verstecken sich flügellos im Fell ihrer Wirte (von Hirschen, Rehen, Gämsen bzw. Steinwild). Die adulten Lausfliegen überwintern im Fell ihrer Wirtstiere, während die wenigen abgelegten Larven in Baumrinden oder in der Bodenstreu den Winter überdauern.

Diese Lausfliegen sitzen meist an Körperstellen, an denen sie von den Wirtstieren nicht selbst entfernt werden können. Auch Lausfliegen von Großsäugetieren in Gehegen (z.B. Damwild, Esel) sind von Tirol ungenügend bekannt. Dabei geht es in erster Linie nicht um Statistik sondern um gesicherte Belege. Aus Oberitalien, Osttirol, Vorarlberg und der Schweiz existieren wenige rezente Nachweise dieser Ektoparasiten, aus dem übrigen Österreich nur uralte aus der Steiermark (Umgebung Rottenmann) und aus Kärnten.

Für Hilfe durch Informationen, besonders über die Gämsenlausfliegen, wäre der Verfasser sehr dankbar. Die Artzugehörigkeit kann nur unter dem Mikroskop bestimmt werden. Das Interesse für diese Lausfliegen-Art ist nicht nur faunistischer, sondern auch biologisch-ökologischer und parasitologischer Art. Die Wirtsbindung oben genannter Lausfliegen-Arten ist nicht ganz streng, die häufigen Hirschlausfliegen parasitieren z.B. auch an Gämsen, wahrscheinlich auch am Damwild.

Hirschlausfliege

Abb. 1: Lipoptena cervi (Linnaeus, 1761); Weibchen, Dorsalansicht, die Basalteile der schon abgestoßenen Flügel sind erkennbar.

Gämselausfliege

Abb. 2: Melophagus rupricaprinus (Rondani, 1879); Weibchen, Dorsalansicht, auch hier sind die Basalteile der abgestoßenen Flügel erkennbar.

Die Jägerschaft Tirols wird vom Autor gebeten, bei frisch erlegten Gämsen, Steinböcken und Mufflons (auch bei Fallwild) im Fell auf die 4-5 mm großen, ungeflügelten (und geflügelten) Lausfliegen zu achten.

Die Belege können dem Verfasser lebend oder tot in Filmdosen oder Medikamentenröhrchen (trocken oder in 70%igem Alkohol) mit genauen Wirtstier- und Fundortangaben, Fellzonen, Datum, Höhenlage und Sammler geschickt oder im Institut für Ökologie der Universität, Technikerstraße 25/5. Stock, 6020 Innsbruck (Sekretariat, z.Hd. Dr. Wolfgang Schedl) abgegeben werden.

Filmdosen können kostenlos beim Tiroler Jägerverband angefordert werden.

Gams-Puzzle in Tirol

Das Gamswild ist als Charakterart in Tirol – fast – so wichtig wie der Tiroler Adler. Doch hat sich herumgesprochen, dass es der Gams heute nicht gut geht. Nicht nur in Tirol, auch in den Nachbarländern gehen Bestände und Strecken kontinuierlich zurück. Die Ursachen sind vielfältig und noch nicht zur Gänze verstanden.

Angesichts dieser Entwicklung ist auch die Forschung gefragt. Je mehr wir über diese Wildart wissen, desto besser und punktgenauer kann auch die jagdliche Planung reagieren. Und was heute als Grundlagenforschung beginnt, kann schon morgen eine wichtige Basis für praktische Entscheidungen sein.

Räude – was tun?

Seit mehr als 40 Jahren begleitet die Räude die Gamspopulationen im östlichen Österreich. Immer wieder flammt die Seuche in den Zillertaler Alpen, in den Dolomiten oder in den Tauern auf. Hat sich die Räude erst einmal in einem Bestand eingenistet, verschwindet sie meist nie mehr vollständig aus der Region. Steinwildkolonien können als Kollateralschaden völlig zusammen brechen. Noch gibt es kein gutes Rezept, wie die Ausbreitung der Seuche aufgehalten werden kann, oder wie die Verluste in einem Bestand so klein wie möglich gehalten werden können.

Seit rund vier Jahren macht sich die Räude nun bereit zum Sprung über eine historische Grenze. Nördlich des Inns und westlich des Wipp- und Eisacktales ist sie noch niemals aufgetreten. Doch am Brenner sickern Räudemilben nach Westen. Höchste Zeit, die bisher noch nie mit den Räudemilben in Kontakt gekommenen Beständen Westtirols und Vorarlbergs auf bestimmte genetische Eigenschaften zu testen.

Denn Forscher am Forschungsinstitut für Wildtierkunde (FIWI) der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Univ. Prof. Dr. Walter Arnold und Dr. Franz Suchentrunk, haben entdeckt, dass sich Gamswild in den verschiedenen Gebirgsregionen Österreichs in seinen Erbanlagen unterscheidet. Und auch die Räude drückt einem Gamsbestand einen besonderen „genetischen Stempel“ auf.

Lauscher für die Forschung

Aus diesen Erkenntnissen können in Zukunft – so hoffen die Forscher – auch bessere Empfehlungen über den Umgang mit Gamswild bei Räudegefahr abgeleitet werden. Allerdings brauchen die Forscher dazu die Mithilfe der Tiroler Jägerschaft. Der Aufwand für den Einzelnen ist gering. Es genügt ein Daumenglied-großes Stück Lauscher einer erlegten Gams in ein Probenröhrchen (beim TJV anzufordern) oder ein verschließbares Plastiksackerl zu legen und innerhalb eines Tages tiefzufrieren. Dazu eine Datenkarte (als Download hier auf der Webseite) ausfüllen und schließlich beim Tiroler Jägerverband oder der Verfasserin dieses Beitrags melden, damit die Proben abgeholt werden können. Die Ergebnisse der Untersuchung werden natürlich auch in der Zeitschrift Jagd in Tirol veröffentlicht werden.

Wir würden uns freuen, wenn sich viele Jäger bei der Erforschung der Tiroler Gams und der Räudegefahr beteiligen.

Informationsblatt und Datenkarte stehen hier auf der Webseite des Tiroler Jägerverbandes zum Download bereit.

 

Probenröhrchen und Datenkarten können beim Tiroler Jägerverband oder direkt bei Dr. Christine Miller angefordert werden.

Kontaktadresse:
Dr. Christine Miller
Haslau 21
D-83700 Rottach-Egern
Tel. +49 (0) 172 5874558
post@christine-miller.de