Murmel: Ein kulinarischer Höhepunkt und noch vieles mehr

Nicht nur das heilsame Fett und der feine Balg des Murmeltieres sind für Jäger/innen interessant. Auch das Wildbret besticht durch seinen einzigartigen Geschmack und gilt in Kennerkreisen als wahre Delikatesse.

In den letzten Jahren hat sich die Jagd auf Murmel durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse etwas geändert. So ist es zum Beispiel inzwischen in vielen Revieren üblich, Bauten in denen sich wissentlich Katzen mit ihren Affen befinden, nicht zu bejagen. Forschungen haben ergeben, dass die Jungtiere zum Überleben im Winterschlaf auf eine gewisse Anzahl von älteren Tieren, die als „Wärmflaschen“ fungieren, angewiesen sind, da sie sonst erfrieren würden. Der Effekt der sozialen Thermoregulation ermöglicht es den Jungtieren durch die abgegebene Wärme adulter Tiere, den Winterschlaf schadlos zu überstehen. „Der Abschuss eines starken Bären aus einer kleinen Gruppe […] kann das Überleben der ganzen Gruppe gefährden” (Murmeltiere – Biologiezentrum – Prof. Arnold, ISSN 0252-192X).

Ebenso erfreulich ist die Tatsache, dass von immer mehr Pirschführern ein Probeschuss im Revier eingefordert wird, um sicher zu gehen, dass das Schussbild passt. Gute Kenntnisse der Umgebung und ein Distanzmesser helfen uns dabei, der Weidgerechtigkeit genüge zu tun und Schüsse über 100 m tunlichst zu vermeiden.

Will man von seinem Murmeltier auch nach der Jagd noch etwas verwerten, sollte man darauf bedacht sein, einen sauberen Schuss ins Leben anzubringen. Murmeltiere die weich geschossen wurden, sind lediglich für den Präparator gut genug. Jede weitere Verwertung von Fett oder Wildbret ist damit nicht mehr möglich.

Die Bergung zur Hütte oder ins Tal muss möglichst luftig erfolgen. Die Körperöffnung dafür mit einem kleinen Ast spreizen und besonders bei warmen Temperaturen den Wildkörper mit einem Fliegennetz vor Larvenbefall schützen. Keinesfalls sollte das erlegte Stück im Rucksack oder in einem Plastiksack verstaut oder transportiert werden. Sowohl das Wildbret als auch der Balg (wird dann beim Gerben lassig) leiden erheblich unter den stickigen Bedingungen.

Wer diese Anforderungen berücksichtigt, hat die Möglichkeit einer vollkommenen Verwertung des Wildes: Fett, Balg, Nager, Wildbret (inkl. Leber). Sinnvoller und nachhaltiger kann Jagd kaum sein.

Tipps zur Verarbeitung von Wildbret, Fett und Balg:

  • Wie das Wildbret zu einer kulinarischen Köstlichkeit zubereitet wird, lesen Sie in der Juli/August Ausgabe der „Jagd in Tirol“
  • Auch das Fett vom Murmeltier kann optimal verwertet werden, wie folgendes Video zeigt: https://www.youtube.com/watch?v=RW_AtY6HT0M
  • Der äußerst attraktive Balg wird von unserer Kürschnermeisterin Erika Röhr nach Wunsch zu Mänteln oder Westen verarbeitet, wie auf dem Bild rechts dargestellt.

Barbara Hoflacher